00:00:13: Hi, vor ungefähr einem Jahr habe ich eine Folge zu Chatbots gemacht.
00:00:18: Affirmationsmaschinen heißt sie und entsprechend hatte ich mich eine ganze Weile mit ChatGPT beschäftigt.
00:00:24: das war ja anfangs das erste prominente Modell.
00:00:28: Anfang diesen Jahres bin ich dann kurzzeitig auf Claude von Anthropic umgestiegen und naja was soll ich sagen?
00:00:36: Das war ein bisschen als würde man von Tinder zur Elite Partner wechseln.
00:00:41: Während ich ChatGPT einfach nicht abgewöhnen konnte, in einem Ton mit mir zu sprechen als würde es mich für ein Schulreferat coaching und die Antworten mit Beatsaps oder Hirn-Emojis zu durchsetzen fühlte ich mich von Claude spontan ernster genommen.
00:00:55: Das Layout der Ton keine Emojies, die Formulierungen, die Nachfragen – alles wirkte irgendwie seriöser!
00:01:03: Manchmal siezte Claude mich sogar.
00:01:05: dann hatte natürlich das Gefühl eine besonders gute Frage gestellt zu haben.
00:01:11: All das ist sicher kein Zufall.
00:01:14: Die Gründer von Enthorpec, prominent vertreten durch die Geschwister Dario und Daniela Amoudéhi fuhrt von Anfang an gezielt ein Gegenprogramm zu OpenAI.
00:01:23: Und das bildet sich auch im Umgangstunieres Chatbots ab!
00:01:28: Dario & Daniela hatten zunächst selbst für OpenAI gearbeitet, verließen das Unternehmen aber twenty-einzwanzig und gründeten mit ein paar anderen abtrünnigen Enthorpic.
00:01:38: Um –das war das Programm– an einer ethischeren KI zu arbeiten….
00:01:44: Seither inszeniert sich das Geschwisterpaar als sich ergänzende verantwortungsbewusste Doppelspitze, die es gut mit der Menschheit meint.
00:01:51: Er ist der CEO mit einer Doktarbeit zu neuronalen Netzen – kennt sich natürlich technisch aus!
00:01:57: Sie ist die Präsidentin der Firma mit einem Abschluss in englischer Literatur und steht gewissermaßen für das menschliche Element.
00:02:05: Die Amodeis warnen regelmäßig vor den Folgen der Technologie, die sie selber produzieren – was etwas ironisch ist.
00:02:12: Aber wenn man in die freundlich verknautschen Gesichter der beiden schaut?
00:02:15: Dann will man es ihnen sogar irgendwie glauben!
00:02:20: Ganz anders hingegen Sam Altman von OpenAI also der Firma hinter Chatchi PT.
00:02:26: Dessen Opportunismus lässt sich schwer verbergen.
00:02:29: Er wurde sogar von seiner eigenen Firma zwischenzeitlich abgesetzt, und zwar wegen seines erratischen Führungstils und seinen Blender-Lügen so dass niemand mehr wusste woran er eigentlich war.
00:02:39: Aber irgendwie hat er es dann doch wieder rein und sofort wieder zurück an die Spitze geschafft.
00:02:43: All das kann man übrigens gut in dem Buch The Empire of AI von Karen Howe nachlesen.
00:02:50: Inzwischen macht niemand Sam Ordman mehr die Führungsstreitig.
00:02:53: Dafür hat aber andere Probleme – er hat nämlich eine Klage am Hals, die ihn gar nicht gut dastehen lässt Und die kommt ausgerechnet von seiner eigenen Schwester, Annie Oldman.
00:03:04: Annie wirft Sam vor sie im Kindesalter jahrelang sexuell missbraucht zu haben.
00:03:09: Der Rest der Familie Oldman, Sam seine beiden Brüder und die Mutter – der Vater ist vor einigen Jahren gestorben – weisen diesen Vorwurf vereint zurück Seine Schwester habe psychische Probleme heißt es Die Ordnance und die Amodes.
00:03:26: Warum erzähle ich all das?
00:03:29: Ich erzähle das, weil dies meine zweite Episode zum Thema Geschwister ist und es sich hier um zwei öffentliche Inszenierungen von Geschwistersbeziehungen handelt die unterschiedlicher nicht sein könnten.
00:03:40: Auf der einen Seite haben wir mit Daniela and Dario Amodé die geschwisterliche Dyade eine desexualisierte aber komplementäre Paar Beziehung die anscheinend reibungslos funktioniert.
00:03:53: Since we were kids, We've always felt very aligned", sagt Daniela in einem Interview.
00:03:57: Um gleich im Anschluss klarzustellen das Alignment auch der Leitbegriff ihrer gemeinsamen Arbeit an der künstlichen Intelligenz sei.
00:04:07: Der Begriff alignment fällt im KI-Diskurs ja die ganze Zeit Gemeint ist die Ausrichtung von Künstlicher Intelligenzen an menschliche Intention und Werten.
00:04:16: Die KI soll sich bitte so verhalten dass sie der Menschheit nicht schadet.
00:04:20: Es ist also ein pseudotechnischer Begriff mit ethischen Gewicht Und die Wahl genau dieses Begriff zur Selbstbeschreibung will uns natürlich etwas sagen.
00:04:31: Hier geht alles auf!
00:04:34: Wo es nicht einmal Geschwisterzwest gibt, da kann man doch wohl auch eine ethische KI entwickeln oder?
00:04:41: Das ist die eine Inszenierung.
00:04:43: Auf der anderen Seite also in der Familie Ordmann sehen wir die Vereinte Zurückweisungen eines Incessvorwurfs und den Ausstoß und die Pathologisierung eines Familienmitglieds.
00:04:55: Wer nicht drin ist – ist draußen.
00:04:57: Soll uns das sagen?
00:04:59: Also überleg dir genau, wo du stehst.
00:05:01: Wir haben also blütenweise Geschwisterliebe auf der einen und ein dreckigen Geschwisterschampf auf der anderen Seite.
00:05:12: Nachdem ich bereits in der letzten Folge versucht hatte mit Juliet Mitchell darzustellen dass mit der Geschwester-Bezigung ein horizontales Drama aufgeführt wird Das Geschwistertrauma als Eintritt ins Soziale Will ich mir heute anhand der Geschwisterinszenierungen, an der Spitze der beiden Top AI Entwickler einen Aspekt näher anschauen, den ich letztes Mal nur am Rande behandelt hatte?
00:05:33: Die Sexualität.
00:05:36: Denn meine Ausgangsfrage war ja – wo sind die Geschwisters in der Psychoanalyse?
00:05:41: Also in der psychoanalytischen Theorie!
00:05:44: Warum kommen sie hier nicht
00:05:45: vor?!
00:05:47: Und da die Grundannahme der Psychoaanalyse ist das Sprache und Triebel zusammenhängen Bedeutet die Geschwisterbeziehung in der Psychoanalyse freizulegen auch, die Frage nach der Sexualität zu stellen?
00:06:00: Kurz zur Erinnerung.
00:06:03: Das Geschwistertrauma ist laut Juliet Mitchell ein Fundamentaltrauma das Entscheidende zur psychischen Entwicklung beiträgt.
00:06:10: Es ist universell – das heißt jeder durchlebt es unabhängig davon ob man nun Geschwester hat oder nicht.
00:06:18: Im Alter von ca.
00:06:19: zwei Jahren taucht Entry da tatsächlich ein neues Baby auf oder es könnte eins auftauchen, wird erwartet und bleibt aus.
00:06:27: Der Neuankömmling besetzt den Platz des Babys in der Familie.
00:06:32: Diesen Platz gibt das aber nur einmal –
00:06:34: d.h.,
00:06:34: das frühere Baby muss weichen und ist auf einmal nicht mehr das Baby sondern ein Kleinkind!
00:06:42: Das KleinkIND muss lernen dass es gleichzeitig einzigartig und austauschbar ist also den Unterschied zwischen das gleiche und dasselbe begreifen.
00:06:51: Das ist die Bedingung für den Eintritt ins Soziale.
00:06:56: Dieser Schritt von Baby zu Kleinkind ist ein Right of Passage, ein Übergangsritual das von schlimmen Wutausbrüchen und Mordfantasien begleitet ist.
00:07:06: Anscheinend teilweise auch von tatsächlichen Mordversuchen!
00:07:09: Wir haben Eltern davon berichtet wie sie ihre Kleinkinder tatsächlich dabei erwischen dass sie dem Baby gerade eine Plastiktütte über den Kopf ziehen oder den Kinderwagen gefährlich nah ans Balkongelände rücken.
00:07:21: Das darf natürlich nicht sein.
00:07:23: Die Mutter spricht ein klares Verbot aus, sie droht so Mitte mit Verbannung.
00:07:28: Wenn du das Baby umbringst musst Du auch gehen.
00:07:33: Mitchell führt die berühmt-berüchtigen Tendrums des Toddlers also die Wutausbrüche des Kleinkins auf diese dramatische Erfahrung zurück.
00:07:44: Übrigens betont Mitchell wie immer dass sie hier eine Struktur beschreibt mit Mutter und Vater als Positionen.
00:07:51: Die Mutter muss nicht tatsächlich sagen, ich verbanne dich.
00:07:53: Und es muss auch gar nicht die leibliche Mutter sein!
00:07:55: Wir sind ja in der Psychoanalyse – hier geht's um universelle Instanzen und
00:07:59: Verinnerlichteverbote.".
00:08:02: Okay nun hat das Kleinkind aber nicht nur Mordfantasien?
00:08:06: Es liebt das neue Baby auch überschwänglich.
00:08:09: To bits wie man im Englischen sagt.
00:08:12: Diese Liebe ist zunächst vereinnahmt-und nazistisch denn das Kleinkind kann noch gar nicht wirklich zwischen sich und dem Baby unterscheiden.
00:08:19: Das Baby ist gewissermaßen ein Stück von ihm, eine Erweiterung des selbst und ist deshalb auch autoerotisch besetzt.
00:08:28: Hier gibt es eine unaufflösbare Ambivalenz.
00:08:31: Das Kleinkind will das Baby einerseits assimilieren und andererseits eliminieren.
00:08:38: Daraus entsteht eine ganz bestimmte horizontale Verbindung von Geschwister, Liebe und Gewalt.
00:08:44: Verbindung ist vielleicht sogar zu soft formuliert, dadurch könnte der Eindruck entstehen beide Riegungen sein voneinander unabhängig.
00:08:51: Dabei ist das Entscheidende dass sie gleich ursprünglich sind.
00:08:56: Zitat Der kindliche inzestuöse Erros ist also ein nazistischer Erroß, indem zwei noch eins sind.
00:09:21: Mitchell vermutet dass damit das Programm für alle zukünftigen Paarbeziehungen gesetzt ist.
00:09:27: Interessanterweise führt sie also die späteren Liebesbeziehung an diesen Punkt des geschwisterlichen Zwei-in-Eins zurück – nicht etwa auf die Mutter Kinddiade oder auf das Ödipale Dreieck.
00:09:39: Liebes Beziehungen sind zunächst Horizontal-Beziehungen Die natürlich vertikalisiert werden können, wenn Kinder dazukommen und als Partnern dann Eltern werden.
00:09:47: Aber das ist schon der nächste Schritt.
00:09:50: Zunächst ist das zwei in eins strukturell eine Doppelbesetzung auf der Horizontalen – also auf der Geschwisterachse – und somit ein Fundamentaltraum, an das erstmal verkraftet und durch Abwehrmechanismen überwunden werden muss.
00:10:05: Diese Abwehrmechanismen bilden die Grundlage unserer sozialen Fähigkeiten und sie bestehen vor allem darin, dass auf irgendeine Weise eine Trennung oder Deplatzierung umgesetzt wird.
00:10:16: Wir dissoziieren, projizieren, verleugnen, sublimieren, verschieben, verdrängen, verwerfen und spalten – und all das tun wir weil wir Raum schaffen müssen!
00:10:26: Einen Abstand herzustellen ist die Bedingung dafür Verbindung überhaupt eingehen zu können.
00:10:32: Ich schätze an Mittel, daß Sie die Spaltung hervorhebt.
00:10:36: In vielen Theorien der Horizontalbeziehungen, wie zum Beispiel in den Theorieren über Freundschaft erscheint mir dieser Aspekt nämlich unterbetont oder sehr aufgeladen irgendwo hinter der Alterität des anderen versteckt.
00:10:48: Es wird zwar immer betont dass es Abstände gibt die man nur teilweise überbrücken kann aber genauso oft geht das im Beziehung auch darum Abständ überhaupt erst herzustellen.
00:10:58: Rück mir nicht auf die Pelle!
00:11:00: Oder such dir deinen eigenen Bereich.
00:11:02: In allen Beziehungen müssen Nähe und Distanz verhandelt werden.
00:11:05: Und die Lösung ist nicht immer mehr Nähe, im Gegenteil!
00:11:09: Die Nähe des anderen war mal existenziell bedrohlich und musste erst mühsam integriert werden.
00:11:16: Die Verarbeitung des Traumers kann natürlich besser und schlecht erlaufen.
00:11:19: Wenn es schlecht läuft dann können die herangewachsenen Kinder entweder keine Beziehung eingehen weil jede Beziehunge einer erneuten Auslöschung gleich kommt oder sie gehen Beziehgungen ein die die Trennung wieder rückgängig machen wollen.
00:11:32: Das heißt, sie versuchen die Trennung in das bin ich und das ist der andere wieder in einer Verschmelzung aufzulösen.
00:11:40: Und tatsächlich wird einem doch unwohl wenn Paare zu symbiotisch wirken oder?
00:11:46: Mit Mitchell könnte man sagen dass man hier an das Incessverbot erinnert wird Dass man irgendwann mal so verinnerlicht hat dass es beinahe zum Instinkt geworden ist und nur noch als unbehagen auftaucht.
00:11:56: Wenn man denkt Zu nah geht auseinander Dann weil man das Gefühl hat das hier entscheidende Grenzen nicht eingehalten werden.
00:12:07: Die binäre Unterscheidung in Mann und Frau erfolgt in der freutschen Theorie erst mit dem Ödipusskonflikt.
00:12:13: Nicht, dass es zwischen den Geschwistern oder jungen Mädchen keine Unterschiede gäbe aber ist eine Differenz der kleinen Unterschiede.
00:12:22: Männliche und weibliche Körper seien einerseits sehr verschieden schreibt Mitte andererseits auch sehr ähnlich wenn wir sie zum Beispiel mit den Körpern von Giraffen vergleichen.
00:12:33: Erst durch die Linse der sexuellen Binarität betrachtet werden Körperunterschiede, Unterschiede mit reproduktiver Funktion.
00:12:40: Die kindliche Sexualität hingegen ist nicht reproduktiv Deshalb ist sie auch nicht heterosexuell im Sinne einer geschlechtlichen Differenz, die ja für die biologische Reproduktion die Voraussetzung ist.
00:12:53: Die Kindliche Sexualitet unterscheidet vielleicht zwischen Jungs und Mädchen aber noch nicht wirklich zwischen Geschlechtern.
00:13:01: Das heißt allerdings nicht dass Kinder nicht auch über Reproduktion nachdenken.
00:13:04: Aber, und jetzt kommt eine wichtige Unterscheidung, Reproduktion und Sexualität sind hier nicht verkoppelt.
00:13:11: Mitchell beobachtet wie viele vorher auch das Kleinkinder nicht nur wissen wollen wo Babys herkommen sondern die ganze Zeit davon reden selbst Babies machen zu wollen.
00:13:21: allerdings braucht es dafür irgendwie kein anderes Geschlecht.
00:13:25: In der Kinder-Fantasie macht man Kinder horizontal.
00:13:28: Reproduktion ist hier Eigenproduktion.
00:13:31: Man produziert eine Kopie von sich als Baby, so wie Kinder eben gerne eine Babypuppe mit sich herum tragen.
00:13:38: Insofern wird das neue Geschwister –das neue Baby, das in die Familie kommt– als einer Art Klon aufgefasst, dass manchmal ebenfalls wieder eine Puppe herumgeschleppt wird.
00:13:49: Du bist ich!
00:13:51: Geschwesterinzess ist für Mitchell also erstmal eine narzissische Autoerotik keine sexuelle Handlung.
00:13:58: Solange das Verständnis zwischen dasselbe und das gleiche Zwischen du bist nicht ich, sondern wie ich – nicht herausgearbeitet ist, greift der nazistische Erros.
00:14:10: Es geht zunächst also weniger um Doktorspiechen, die kommen eventuell später, sondern um Incesszverstanden als Assimilierung eine Gegenauslöschung im Kampf um den angestammten Platz.
00:14:22: Zitat?
00:14:29: Or perhaps if we think about its sibling base the absence of them.
00:14:58: Klassischerweise droht in der psychoanalytischen Theorie der Vater mit Castration.
00:15:02: Es gibt einen Vertikalverbot und die Lüste werden verdrängt.
00:15:07: Doch Mitchell fügt nun eine Horizontale hinzu, oder legt sie frei in der es noch ein anderes Verbot gibt – das der Mutter.
00:15:16: Dieses Verbot wirkt nun nicht zwischen den Generationen sondern zwischen dem Individuen innerhalb einer Generation.
00:15:25: Für Mitchell ist einer der größten blinden Flecken von Freud seine Überzeugung dass unser einziger Zugang zum Tod die Kastrationsdrohungen sind.
00:15:35: Da wir den Tod nicht erlebt haben so in dieser Argumentation können wir ihn auch nicht verdrängt.
00:15:40: Also ist der Tod im Unbewusst nicht repräsentiert, nur die Kastration.
00:15:47: Stimmt nicht", sagt
00:15:48: Mitge."Wir
00:15:49: haben den eigenen Tod erlebt".
00:15:51: Nämlich in der Auslöschung im Geschwistertrauma als auf einmal jemand anderes an unserem Platz stand.
00:15:57: Hätte Freud das gesehen?
00:15:59: Sagt sie.
00:16:00: Dann hätte er es auch geschafft sein eigenes Konzept des Todes-Triebs in seine Theorie einzufügen – was ihm nämlich nie wirklich gelangen!
00:16:08: Der Todestrieb wiederholt für Mitgel die Erfahrung der Selbstauslöschung Beziehungsweise die Auslöschung des anderen, der an meinem Platt steht.
00:16:16: Was?
00:16:17: Das ist ja das Perfide auf das gleiche hinausläuft!
00:16:23: Ich mag den Begriff Geschwister sehr weil er das Verschwisterte, den Zusammenhalt und das Vielfältige betont, den bunten Haufen dem Geschlechterunterschied eben kleine Differenzen sind und Kleidungen und Spielzeug- und Schulsachen freizirkulieren.
00:16:39: Doch Geschwisters sind natürlich auch Brüder und Schwestern.
00:16:43: Auch hier gibt es die Einteilung in männlich und weiblich Und wo immer diese Einteilung auftaucht, stellt sich die Frage nach männlicher Dominanz und der Unterdrückung der Frau.
00:16:56: Es ist wohl an der Zeit eine weitere Julliet ins Spiel zu bringen – Julliot-Flower McNell.
00:17:01: Noch eine Julliat aus der gleichen Generationen, die ebenfalls feministisch und psychoanalytisch argumentiert aber dabei ganz anders vorgeht als Julliott Mitchell auch wenn beide über das Fratriaich hart schreiben.
00:17:16: Ungewohntes Wort meint Brüder-Herrschaft.
00:17:19: Analog zum Patriarchat, also der Herrschaft der Väter.
00:17:24: Julliet Mitchells Buch Fretriarchy kam im Jahr zwanzig Jahre heraus – ist also recht neu!
00:17:31: Julliot McKennels Buch Regime of the Brother ist eher schon ein Klassiker.
00:17:35: Es kam in den neunziger Jahren heraus und wird.
00:17:37: aber gerade so habe ich den Eindruck verstärkt wieder gelesen.
00:17:41: Was sicher auch damit zu tun hat, dass wir ja inzwischen tatsächlich von
00:17:44: Bros.,
00:17:45: nämlich den Tech Bros.
00:17:46: aus dem Silicon Valley reagiert werden….
00:17:48: Für die ist Sam Altman ja übrigens auch steht.
00:17:53: Ich muss zugeben, dass ich Merkel erst mal mit Widerstand gelesen habe.
00:17:57: Ich musste mich regelrecht zwingen dem Text die zweite Runde zu gestehen, die er zweifelsohne verdient.
00:18:04: Etwas beschämt radierte ich dann ein paar fiese Kommentare wieder weg, die ich bei der ersten Runde in den Marginalien hinterlassen hatte.
00:18:12: Beschämte nicht wegen der fiesen Kommentare selbst sondern weil ich bei dieser zweiten Runde merkte das ich richtig schlampig gelesen.
00:18:19: Abwehr ist ja immer faszinierend und die Frage, was hier eigentlich bei mir los war, lass ich mal im Hintergrund mitlaufen.
00:18:26: Beim zweiten Sorgfältigen lesen jedenfalls wie mir auf das sich die beiden Geschwisterinszenierung, die ich verstehen will also Die Ordnment-Familie auf der einen Und die Amodee-Geschwister auf der anderen Seite sehr gut mit McKennel analysieren lassen.
00:18:42: Für McKennl leben wir schon die ganze Zeit nicht wirklich in Patriarchat.
00:18:48: Mit der Forderung, dass ihr Vater zurücktreten soll verschwenden wir unsere Energie", schreibt sie.
00:18:53: Denn dieser Prozess sei längst in Gang gesetzt und mit Längst meint sie seit der Aufklärung.
00:19:11: Vor dem Gesetz sind alle gleich.
00:19:24: Was aber die ganze Zeit unbemerkt geblieben ist, ist dass in Wirklichkeit gar nicht alle gleich sind – aber nicht etwa weil sie Väter herrschen sondern weil die Brüder die Welt regieren also diejenigen, die ja eigentlich für Gleichheit stehen.
00:19:38: Freiheit, Gleichheit und Bruderlichkeit heißt es doch.
00:19:44: Dabei ist die Ungleichheit bereits in diese Forderung nach Gleichheit eingeschrieben denn wer darin nicht vorkommt sind die Schwestern.
00:19:53: Als kollektiv betrachtet ist die moderne Gesellschaft eine Bruderschaft.
00:19:57: Die universelle Bruderschafft der Menschenmänner, schreibt McKennell.
00:20:02: und diese Brudarschaft schließt die Schwester genauso gewaltsam aus wie das Ödipalepatriarchat die Mutter ausgeschlossen hatte.
00:20:10: Wir müssen uns also eingestehen dass wir in einer gesellschaftsordnung leben die schlimmer ist als das Patriarchat Das Regime der Brüder.
00:20:19: Schlimmer weil die Brüdern für McKennel unverantwortliche Narzisten sind Narzisten, die sich dem Todestrieb verpflichtet haben.
00:20:27: Sie genießen einfach nur hedonistisch in der Gegenwart und scheren sich nicht um die Nachwelt.
00:20:33: Die Brüder gründen vielleicht auch Familien – bekommen sogar Kinder und geben den Vater – aber das dient nur ihrem eigenen Narzismus!
00:20:40: Sie tun zwar väterlich… Aber das ist nur ein Maskerade.
00:20:45: Das Schlimmste an dieser Sache ist jedoch, dass man fast versucht ist, sich nach der alten patriarchalen Ordnung der Ahnen zurück zu sehen, in der noch klar war, warum man sich zügelt und für wehen.
00:20:58: An dieser Stelle muss man auch passen, mehr Kerneln nicht zu unterstellen dass sie selbst der die Issus hat.
00:21:03: Das könnte einer meiner Kommentare in den Marginalien gewesen sein.
00:21:08: Stellenweise klingt es tatsächlich so als argumentiere Sie für eine Rückkehr des strengen Vaters Aber so ist das nicht gemeint!
00:21:16: Das Ödipale Zuhause ist eine Schlachtbank stellt sich klar.
00:21:20: Das Schlimmste an der Herrschaft der Brüder ist, dass sogar diese Schlachtbank im Vergleich wie ein Ort erscheint, an dem immerhin das Gesetz gilt.
00:21:32: Diese Wucht muss man vielleicht historisch raumen.
00:21:36: Merkennel ist in den Kräften war und durch die Nachkriegszeit und den Kalten Krieg geprägt.
00:21:42: Also einer Zeit, in der man jeden Moment mit einer nuklearen Katastrophe rechnen musste.
00:21:48: Für sie ist die Weltordnung tatsächlich eine Fars.
00:21:52: Die patriarchale Ordnung war immerhin eine Ordnung der generationalen Nachfolge.
00:21:58: Und wenn man das Überleben der Nachkommen in Gefahr sieht, seht man sich vielleicht nach dieser Selbstverständlichkeit zurück.
00:22:06: Angesichts des Klimawandels ist dieser Gedanke wohl auch heute noch nachvollziehbar.
00:22:11: Aber noch besser wäre der Text gealtert, wenn McHennell ein Konzept der Horizontalen entwickelt hätte!
00:22:24: Mit einem Konzept der Horizontalen könnte man allerdings noch weitergehen und sich fragen, ob die Brüderherrschaft im Silicon Valley beispielsweise sich nicht vielleicht doch reproduzieren will.
00:22:36: An Zukunftsvision mangelt es dort ja nicht.
00:22:39: Allerdings funktioniert die Reproduktion hier – also im Silicon-Valley in diesen Fantasien – nicht vertikal?
00:22:45: Also über die Generationenfolge, die ja unweigerlich in eine düstere Zukunft zeigt sondern horizontal!
00:22:53: Leute wie Elon Musk oder Ray Kurzweil wollen sich ja eigentlich selbst reproduzieren, also Klone ihrer Selbst erschaffen und darüber unssterblich werden.
00:23:04: Hier ist doch Mitschild nützlich!
00:23:05: Das kindlich-laterale Phantasmer der Selbstgeburt finde ich äußerst passend.
00:23:10: Die gesamte transhumanistische Arbeit an der Zukunft des Menschen – ob es nun um KI geht die Marskolonie oder das Hochladen des Hirns auf eine Festplatte sind ja letztlich autoreproduktive Phantasmen.
00:23:24: Sie dienen also gar nicht dem Lebenstrieb, auch wenn sie so tun.
00:23:27: Sondern Wurzeln im Todestrieb der mechanisch die Angst vor der eigenen Auslöschung wiederholt.
00:23:35: Aber noch mal einen Schritt zurück Das Regime des Bruders ist eine eigenständige Variante des Patriarchats.
00:23:42: Es hat eine imaginäre und keine symbolische das heißt keine gesetzgebende Funktion.
00:23:47: Der bruder spielt die Rolle des verantwortungsvollen vaters nur.
00:23:52: Dabei ist er lediglich ein proformer Vater schreibt mir kennel Ohne jegliches, gemeinschaftsorientiertes oder globales die spezielle Erhaltnisziehe.
00:24:01: Ein Despot – ein Stummerherrscher der einzige und derjenige der wirklich
00:24:06: genießt.".
00:24:09: Dabei reist er alles an sich!
00:24:11: Er ist das Liebesobjekt der Mutter, der Verbündete des Bruders und der Boss der Schwester.
00:24:16: Gleich sind alle anderen nur in der Ausrichtung auf ihn.
00:24:20: Was er somit zu genießen scheint, ist die Macht alle familiären Beziehungen zu entstellen und diese einzig und allein auf Sicht zu zentrieren.
00:24:31: Womit er die Welt in eine Frikktion der Brüderlichkeit verwandelt den Traum des Universalen, der zur Albtraumlüge des Menschen geschlechts wird.
00:24:41: Zitat Ende Na das wirkt doch als könnte es dabei helfen das Familiendrama der Ordnance aus einer anderen Perspektive zu beleuchten.
00:24:52: Was sieht man, wenn man nicht nach Patriarchalen sondern nach Frateriarchalen Strukturen Ausschau hält?
00:25:00: Vielleicht muss ich noch dazu sagen dass es mir hier nicht darum geht wessen Aussage stimmt.
00:25:04: Ich habe natürlich keine Ahnung ob Ennis Ordnance Vorwürfe der Wahrheit entsprechen oder nicht wie wollte man das auch entscheiden.
00:25:12: Aber was man an dieser öffentlichen Zerstausstellung eines Familiendramas ablesen kann ist eine Struktur Eine Struktur in der die Schwester in eine Position gerückt wird in der ihr Zeugnis nichts zählt.
00:25:26: Sie wird nicht nur ausgeschlossen, sondern für verrückt erklärt.
00:25:31: Strukturell betrachtet ist die Verstoßung der Schwester nicht einfach nur der Kollateralschaden einer ansonsten intakten Ordnung, sondern ein Gründungsakt.
00:25:42: Die universelle Bruderschaft von der McKennel spricht konstituiert sich nicht trotz, sondern durch den Ausschluss der Schweste.
00:25:51: Hier ist also nicht die Mutter, die Ausgeschlossene – das war die Ödipale Konstellation!
00:25:58: Im Regime des Bruders aber ist sogar die Mutter auf ihn ausgerichtet.
00:26:03: Die Mutter stellt sich nicht hinter Annie, sondern hinter Sam.
00:26:07: Dass sie gemeinsame Erklärung auch von ihr getragen wird, ist also genau das – die Mutter, die sich auf den Bruder ausrichtet.
00:26:15: Damit erbt die Schwester die strukturelle Position der ÖDPALEN-Mutter, aber ohne die Mutter als Verbündete, weil diese bereits eingemeindet ist.
00:26:26: Bemerkenswert ist vielleicht noch an wen sich Annie stattdessen wendet?
00:26:30: Sie reicht ja eine Klage ein,
00:26:31: d.h.,
00:26:32: sie ruft das Gesetz und damit den symbolischen Vater an.
00:26:35: Doch der symbolische Vater, an dem sie sich wendet ist im Regime des Bruders schon nicht mehr da.
00:26:40: Ihre Anrufung trifft also eine Instanz, deren Macht das Regime bereits ausgehölt hat.
00:26:47: Alles klar!
00:26:48: Das war doch recht easy oder?
00:26:51: Schwieriger wird es schon die AMODE-Geschwister mit Merkel zu lesen.
00:26:55: Aber ich finde hier wird es erst richtig interessant.
00:26:58: Denn dazu muss man tiefer in den Text einsteigen – und ich finde das lohnt sich.
00:27:03: Mein Widerstand gegen den Text in der ersten Runde kam vielleicht auch daher, dass er sich ein bisschen zu schnell zum Bro und Narzistenbashing andient.
00:27:12: Nicht das sie es nicht verdient hätten aber mir behagt es irgendwie nicht wenn man sich allzu sicher ist wer die Bösen sind.
00:27:20: Ehrlich gesagt sind wir nämlich Dario und Daniela Amodei viel unheimlicher.
00:27:25: Dieses passgenau alignment da stimmt doch was nicht ok.
00:27:32: Also nochmal zurück in McKennels Text, in der Hoffnung am Ende mit neuem Instrumentarium wieder rauszukommen.
00:27:38: Was dabei hilft zu verstehen warum dieses Geschwisterpaar ein bisschen creepy wirkt?
00:27:47: Das Einzige was man gegen den Narzissmus der Brüder ausrichten könne, schreibt McKenne sei Erros aufzurufen und zwar Zitat selbst in Form einer Angst vor der sexuellen Differenz, der entscheidenden Differens die vom Gesetz des Bruders negiert wird.
00:28:04: Moment Erros ist der Lebensstrieb, also der Gegenspieler des Todesstriebs.
00:28:11: Und da die Brüder im Dienste des Todestriebs agieren, will sie den Error stärken – was auch immer sie damit meint!
00:28:22: Leider gibt es in der psychoanalytischen Theorie mit gesellschaftspolitischem Anspruch eine Tendenz zu solchen Imperativen von denen irgendwie niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist.
00:28:34: Aber ich will mich hier nicht eschofieren, sondern versuchen den Satz von McKennel zu verstehen.
00:28:38: Warum negiert das Gesetz des Bruders die sexuelle Differenz?
00:28:43: Das scheint ja irgendwie das Hauptproblem zu sein!
00:28:50: Um das zu beantworten muss man erst mal klären was McKennl mit sexueller Differens meint.
00:28:56: Sie bewegt sich hier ganz klar in der Tradition von Jacques Lacan.
00:28:59: In dieser Tradition meint sexuelle Difference dass es zwei unterschiedliche Arten des sexuellen Geniesens gibt Die eigentlich nicht zusammenpassen.
00:29:09: Diese Jouissance hat Lacan als weiblich und männlich bezeichnet, was ihm viel Kritik eingebracht hat.
00:29:16: Allerdings ist damit gerade nicht das biologische Geschlecht gemeint.
00:29:21: Biologisch passen die Geschlechterjahr zusammen – aus einer Ei- und Samenzelle können Kinder entstehen!
00:29:28: Doch das ist ja nun mal nicht, was die menschliche Sexualität ausmacht.
00:29:32: Wie erklärt man sich den ganzen Rest?
00:29:34: Das Begehren, die Spiehchen, die Maskerade … Und vor allem wie erklärt Man sich dass es nicht ohne
00:29:40: geht?!
00:29:41: Also ohne Begehren, ohne Spiegel und ohne Maske gerade.
00:29:45: Warum ist die menschliche Sexualität so unglaublich kompliziert?
00:29:50: Das liegt an der sexuellen Differenz.
00:29:52: Deshalb ist sie auch fast leichter negativ zu bestimmen.
00:29:55: also es ist leichter zu sagen was sie nicht ist.
00:29:58: Die sexuelle Differens ist nicht Komplementarität.
00:30:02: Also Nicht Ich habe was dir fehlt Und du was mir fehlt und zusammen ergänzen wir uns.
00:30:09: Diese Vorstellung Also die Vorstellung, dass wir Paare bilden, die sich komplementär ergänzen ist unsere imaginäre Abwehr einer realen Unmöglichkeit.
00:30:19: Das ist was Lacan mit dem berühmten Satz es gibt kein sexuelles Verhältnis meint.
00:30:26: Der Nazist, so merken als Diagnose kann die sexuelle Differenz nicht ertragen weil er die Andersheit im anderen nicht erteilen kann.
00:30:36: der andere dient ihm ja nur als Spiegel.
00:30:39: Er sieht dort also nicht das Andere sogar nicht einmal das Gleiche sondern nur dasselbe.
00:30:45: Die sexuelle Differenz, also die Bezeichnung für die radikale Andersartigkeit als realen Kern im anderen ist was in Regime des Bruders verdeckt werden muss.
00:30:56: Zum Beispiel mit der Behauptung wir sind alle gleich.
00:31:01: und wie lässt sich das am allerbesten verdecken?
00:31:05: Durch das imaginäre Paar – also die Fiktion der Komplementarität.
00:31:09: Das so schreibt McKernel is' die Obsession Symbolisiert als zentrales Ereignis im Drama des menschlichen Lebens in Fantasien, Albträumen, Illusionen.
00:31:23: In hysterischen Schlagzeilen und kolportierten Pärchen der Boulevardpresse steigt diese Beziehung heute zur wichtigsten Form des sozialen Bandes
00:31:31: auf.".
00:31:36: Die Allgegenwart des imaginären Paths sei das Symptom eines kollektiven Narzissmus sagt McKennel.
00:31:43: Das scheitern einer wirklichen Beziehungen zum anderen.
00:31:46: Das ist die dominante Form gegenwärtiger sozialer Beziehungen.
00:31:53: Wenn wir also das Patriarchat zum Gegner machen, boxen wir in die Luft.
00:31:56: Denn das eigentliche Problem ist die Verleugnung der radikalen Andersartigkeit des anderen durch das imaginäre Paar und an dieser Stelle muss ich natürlich an die Amodeige Schwester denken.
00:32:10: Das Inzestverbot sorgt dafür, dass das Geschwisterpaar sich sogar noch besser als perfektes Paar darstellen kann weil sie zwar als männlich und weiblich gelesen werden aber nicht als Mann und Frau.
00:32:23: Die sexuelle Differenz taucht also als Problem gar nicht erst auf.
00:32:28: Sie können diadisch auftreten – als perfectly aligned Und dabei stützen sie zugleich das Phantasma des passgenauen aufeinander abgestimmten Paars.
00:32:39: Ein drittes oder viertes Geschwister hätte in dieser Inszenierung gar keinen Platz.
00:32:43: Denn das Bild ist Perfect Alignment, ist das der wechselseitigen Ergänzung.
00:32:48: Er hat was ihr fehlt – nämlich ein PhD in Biophysik und sie ergänzt seine wissenschaftliche Expertise mit einer geisteswissenschaftlichen Ausbildung und dem Know-how wie man den Laden schmeißt!
00:33:01: Die beiden geben eigentlich das sympathische Elternpaar.
00:33:04: Sie spielen Mama und Papa.
00:33:05: Sie geben also einen Schauspiel auf der Vertikalen, das auch noch den Vorteil hat, dass es so aufgeräumt rüber kommt, dass man sich keine Sorgen um schmutzige Triebe machen muss.
00:33:16: Wissen sie diesen Menschen die Zukunft des Planeten anvertrauen?
00:33:21: Eher als Sam Goldman
00:33:22: oder?!
00:33:24: Hier versteckt sich die Herrschaft des Bruders sehr gekonnt im Ödepalen gewandt!
00:33:27: Man muss schon ganz genau hinschauen und zu sehen, dass wir jetzt auch dort mit einem Fratriarchat zu tun haben wo die Schwester sogar mit auf der Bühne sitzt... Zumindest, wenn es darum geht das passgenaue Paar in einem System zu spielen indem die Schwester strukturell gar keinen Platz hat.
00:33:44: Während die Brüder Pläne schmieden wie sie sich klonen können.
00:33:49: Doch damit nicht genug.
00:33:51: Das Phantasma des imaginären Paars so würde ich behaupten setzt sich auch in den Produkten der KI-Entwickler fort.
00:33:58: Denn was sind denn Chatbots anderes als die Leugnung der Andersartigkeit im anderen?
00:34:04: Wir sprechen mit Assistenten, die sich dank ihrer Memory-Funktion nach und nach genau so an uns anpassen dass die Kommunikation mit ihnen absolut reibungslos verläuft.
00:34:14: Ich bezeichne sie deshalb inzwischen als memory foam.
00:34:17: Schaumstoff mit Formgedächtnis ist die etwa sperrige deutsche Übersetzung Gemeint ist dieses viskose Material aus dem Matratzen oder Kissen gemacht sind also dieses Material das auf Druck und Körperwärme reagiert und sich sozusagen an uns erinnert.
00:34:33: Es dient, so heißt es bei den Herstellern der Druckentlastung.
00:34:38: Könnte man es noch besser ausdrücken?
00:34:41: Ein Chatbot entlastet uns vom Druck des Anderen im anderen und wird so zum perfekten imaginären Partner – besser als jede bessere Hälfte weil er nicht einmal mal beansprucht eine Hälfe zu sein!
00:34:55: Die alte Verschmelzungsfantasie die schon bei Platon und dem Kugelmenschen anfängt und die wir anscheinend einfach nicht loswerden begegnet uns in der Gegenwart glaube ich, in dieser Form.
00:35:07: Als anderer der uns perfekt ergänzt weil er eigentlich kein anderer ist.
00:35:14: An dieser Stelle möchte ich die Bros inklusive ihres Formsschaubens gern wieder beiseite lassen und auch den Text von Druiet McKennell wiederzuklappen um noch eine letzte Runde mit Druiet Mitchell zu drehen Denn ich will nochmal zur Ausgangsfrage zurück Die ja war warum die Psychoanalyse die Geschwister verdrängt.
00:35:34: Das das so ist es glaube ich klar geworden.
00:35:38: Aber was könnten die Gründe dafür sein?
00:35:42: Ich hatte dazu diesen Sommer eine kleine Erkenntnis im Erdbeer Beet, denn da habe ich den Unterschied zwischen vertikaler und horizontaler Reproduktion das erste Mal verstanden.
00:35:52: Jede etwas erfahrenere Gärtnerin wird mich auslachen – aber ich war ehrlich erstaunt zu sehen wie Erdbären sich fortpflanzen!
00:35:58: Für alle die es nicht wissen….
00:36:01: Eine Erdbaer-Pflanze bildet nämlich besonders auffällige und lange Ausläufer mit denen sie sich seitwärts über dem Boden tastet Bevor sie irgendwann von diesem Arm ausgehend Wurzeln in die Erde schlägt.
00:36:11: und an dieser Stelle wächst dann eine neue Erdbeerpflanze.
00:36:15: Aber damit nicht genug.
00:36:16: der Armwächs noch weiter, wurzelt wieder, bildet wieder eine neue Pflanze und sofort!
00:36:21: Das ist die Reproduktion auf der Horizontal.
00:36:24: Die Pflanzen reproduziert sich selbst – seitwärts.
00:36:27: Sie klont sich.
00:36:30: Erst im nächsten Moment fragte ich mich aber wozu macht die Erdbärpflanzer denn dann noch eine Erdbehre wenn sie sich doch auch so vermehren kann?
00:36:39: Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Sexualkundeunterricht fiel bei mir also der Kroschen.
00:36:44: Ah, die Bienen und die Blümchen!
00:36:48: Die Bestäubung sorgt für Diversität im genetischen Material.
00:36:52: Die Blüte braucht ein anderes – sie ist geschlechtlich, also gewissermaßen heterosexuell.
00:36:59: Zuerst dachte ich ach das sind also die beiden Achsen von denen Juliet mit Tisch spricht?
00:37:04: Hier haben wir doch die Sexualität einmal auf der Vertikalen und einmal auf den Horizontalen Bis mir auffielen, dass das bedeuten würde, Sexualität mit Reproduktion gleichzusetzen.
00:37:16: Genau davor warnt Mitchell aber nicht nur weil das alle Formen der nicht reproduktiven Sexualität aussparen würde sondern weil sie der Meinung ist, dass die Psychoanalyse selbst damit verdrängt worauf es sich gründet.
00:37:31: Die Psychoanalyse nach Freut habe eine Abzweigung genommen, die Mitchell als Slippage of psychoanalytic theory into common sense ideology bezeichnet.
00:37:42: Wenn man die Sexualität mit Reproduktion gleichsetzt, dann asexualisiert man die sexualität.
00:37:50: Dabei geht es der Psychoanalyse doch genau darum auf das Disruptive der Sexualität hinzuweisen Die inherente Widersprüchlichkeit, die in Form von Symptomen und Fehlhandlungen und Alldem immer wieder quer schlägt weil sie sich eben nicht der Reproduktion unterordnen lässt.
00:38:08: An dieser Stelle sei noch mal betont, dass die Psychoanalysen nicht unterstellt das wir die ganze Zeit schmutzige Gedanken haben.
00:38:14: Die sich durch Versprecher in der Sprache offenbaren Sondern das weil wir sprechende Wesen sind unsere Sexualität nicht einfach der Reproduktion dient sondern mit der Sprach verkoppelt ist.
00:38:27: Freud hat das als erster gesehen aber freut änderte irgendwann im laufe seiner Theorie Bildung seine Triebtheorie und an dieser stelle lokalisiert Mitchell das Problem.
00:38:38: In Freud's früher-Trieb-Theorie waren Sexualtriebe und Selbsterhaltungstriebe noch Gegenspieler.
00:38:45: Später fasste sie dann zu einem Trieb, dem Lebenstrieb zusammen.
00:38:50: Das muss er machen da er einerseits an seinem Trieb Dualismus festhalten will aber gleichzeitig einen neuen Triebe einführen will den Todestrieb.
00:38:58: Und deshalb muss er hier verkürzt gesagt etwas aufräumen.
00:39:02: Die Folge ist dass der Sexualtrieb also dem Lebenstrieb unterstellt wird was viele Vorteile hat Aber in Mittels Auffassung eben auch Nachteile.
00:39:32: Während früher der Sexualtrieb noch etwas Unwendiges Disruptives hatte, erscheint er jetzt gezähmt in den Bahnen der Reproduktion zu verlaufen.
00:39:44: Denn vor allem wirkt es jetzt so, als gäbe es eine normale Sexualität – nämlich die heterosexuelle im Dienst der Reproduktion.
00:39:51: Und alles andere, Homosexualität, Perversionen, Masturbation, Sexualität nach der Menopause erscheint als Abweichung, weil das eben nicht der Arterhaltung dient!
00:40:02: Die Grundannahme der Psychoanalyse, dass Sexualität selbst disruptiv ist und über Tabus gebändigt werden muss, die dann wiederum gesellschaftsstiftend sind, gingen darüber verloren….
00:40:15: Die Psychoanalyse muss also aufpassen, nicht selbst zur Ideologie zu werden.
00:40:20: Oder fast noch schlimmer und sogar nicht dem eigenen Selbstverständnis entsprechend?
00:40:24: Brüde!
00:40:26: Aha – das ist vielleicht der Schlüssel zur Verdrängung der Geschwister aus psychoanalytischen Theorie.
00:40:32: Sie stehen für die nicht reproduktive Dimension der Sexualität.
00:40:36: Für das Polymorph per Verse der Horizontalen.
00:40:40: Eine Folge der Normalisierung der reproduktiven Heterosexualität ist dass die Geschwisters nun nicht mehr auftauchen Als wirklich ein Versäumnis ist, denn damit fehlt das theoretische Werkzeug um fratriarchale Dynamiken psychoanalytisch zu beschreiben.
00:40:55: Oder etwas einfacher ausgedrückt?
00:40:57: Wir sind nun mal keine Erdbeeren!
00:41:00: Bis zum nächsten Mal.